Das heile Selbst oder Handeln aus unserer Essenz
Als ich mir vor vielen Jahren auf den Weg gemacht habe, war meine Intention:
„Ich möchte wissen, was wirklich ist.“
Ich wollte einen kompletten Reset, ein Lernen und Begreifen der Welt auf eine ganz neue Art und Weise. Das alte Konzept hat mich so weit von mir entfernt, dass ich buchstäblich nichts mehr gefühlt habe, weder in mir drin, noch habe ich tatsächlich Berührungen wahrgenommen.
Unverbunden mit mir und der Welt, hab ich also meinen Job gekündigt, bin mit dem VW-Bus losgezogen und habe ganz viel Zeit alleine im Wald verbracht. Das Lauschen und Staunen in Stille und Meditation, hat mir geholfen, überhaupt mal bei mir und dem Wunder „Leben“ zu landen.
Worüber ich in dieser Zeit allerdings nur bedingt lernen konnte, war mein Umgang mit anderen Menschen. Ich habe eher transpersonale Räume entdecken dürfen, doch wie ich mich zu einer anderen Person beziehe, darüber wusste ich immer noch nicht mehr. Es war auch eher der Wunsch da, mich dem „normalen“ Leben ganz zu entziehen und irgendwo in ein Schweige-Kloster zu gehen. Denn was ganz deutlich zu spüren war – mit mir alleine ist alles einfacher.
Ein Teil von mir hat sich dagegen entschieden und hat versucht wieder Anschluss zu finden und mit dem „Neuen“ ins „Alte“ zu passen. Nun, das ließ sich nicht ganz so gut umsetzen. Und in dem Miteinander schienen nochmal andere Kräfte zu wirken.
Also brauchte es erneut einen Reset und eine Erforschung meiner Person „in Beziehung“.
Was mir dabei bis heute hilft und wofür ich große Dankbarkeit verspüre, ist den Zugang zu dem heilen, unberührten Raum in mir gefunden zu haben. Alleine zu wissen, dass es ihn gibt, ist eine große Ressource, auch wenn es im scheinbaren Außen manchmal ganz wild zugeht. Wenn meine inneren Kinder toben oder verängstigt sind und mich Persönlichkeitsanteile ganz einverleiben und ihren Überzeugungen heraus agieren, dann ist es gut, um diesen Raum zu wissen, der all das mühelos und liebevoll hält und das ich nie wirklich getrennt von ihm bin.
Manchmal ist die Verschmelzung mit einem Teil dann allerdings doch so stark, dass ein paar Fragen dabei helfen, mein inneres Erleben einordnen zu können. Denn was solch eine komplette Vereinnahmung leider oft mit sich bringt, ist eine gewisse Form von innerer oder äußerer Trennung, z.B. durch Selbstverurteilung oder nach außen gerichteten Erwartungen.
Ganz allgemein geht es für mich also darum, zu erkennen, wo ich mich gerade innerlich befinde und aus welchem Raum heraus ich mich gerade beziehe.
Wertvolle Beobachtungen sind dabei für mich:
- Fühle ich mich gerade über- oder unterlegen?
Dank Eckhart Tolle ist das eine ziemlich einfache Frage, um festzustellen ob ich gerade im Ego verhaftet bin.
Aber was dann?
- In der wunderbaren Learning-Love-Arbeit gibt es drei zu unterscheidende Zustände. Die Essenz, die verwundete Schicht und die Schicht der Strategien oder Kompensationen. Diese Unterscheidung braucht meiner Meinung nach, eine gefühlte Erfahrung. „Ah, so fühle ich mich in diesem Zustand und so in jenem.“ Mit etwas Abstand kann ich mich dann fragen:
„Was ist das eigentliche Bedürfnis hinter meinem Handeln? Was gewinne ich dadurch? Kommt das was ich fühle oder denke aus dem reifen oder unreifen Teil? Aus dem verletzten Teil oder aus meiner Kompensationsschicht? Fühle ich mich verbunden oder getrennt?“
Und dies kann mir helfen, die Gefühle, die gefühlt werden wollen hervorzulocken, damit sie mich nicht unbewusst weiter „regieren“.
- Ähnlich sieht es in dem Ansatz mit der Inneren Familie aus. Wir haben das Selbst, die verbannten Teile, die unseren Schmerz tragen und die fleißigen Beschützer, die uns davon abhalten wollen jemals wieder damit in Kontakt zu kommen. Wenn ich mich gerade innerlich nicht verorten kann, könnte ich mir folgende Frage stellen:
Habe ich Zugang zu folgenden Qualitäten in mir?
Mitgefühl, Interesse, Klarheit, Ruhe, Verbundenheit, Mut, Kreativität
Diese stehen im IFS für Selbstqualitäten und wenn diese nicht vorhanden sind, bin ich immer noch mit einem (Persönlichkeits)-Anteil verschmolzen, welchen ich dann weitererforschen kann. Wobei mich diese Art zu fragen, am meisten fasziniert, wenn es um den Umgang mit mir geht. Somit könnte hier die Frage eher lauten:
Was fühle ich mir selbst gegenüber?
Eine häufige kurze Feststellung dazu ist dann:
Ist da kein Mitgefühl, für was auch immer sich gerade zeigt, dann hat da einfach noch jemand anderes das Zepter in der Hand 😉
Und selbst wenn ich all das weiß und dankbar bin für die vielen Hilfestellungen, ist und bleibt es für mich ein stetiger Prozess. Und dazu gehören schmerzhafte Erkenntnis- und Integrationsmomente ebenso mit dazu, wie auch ein unbedarftes Staunen…